
Die Türme
360-Fuß-Stahlmasten trugen die Sendeantennen, 240-Fuß-Holzmasten die Empfänger. Die Wellenlänge war so lang, dass eine Antenne keinen Strahl bündeln konnte — stattdessen wurden große Volumen beleuchtet und Phasenvergleiche genutzt. Genauigkeit ±5°, aber genug zum Lenken von Jägern.
Filterräume
Rohpläne gingen in einen Filterraum, wo WAAF-Plotter mehrere Radarmeldungen mit Beobachterkorps-Sichtungen fusionierten. Die gefilterten Spuren gingen an Fighter Command HQ und dann an Sektorstationen. Gesamte Entscheidungslatenz: etwa vier Minuten.
Warum die Deutschen es übersahen
Die Luftwaffe kannte die Türme, unterschätzte aber ihre Bedeutung. Frühe Angriffe zielten auf Flugplätze. Als die Stationen August 1940 schließlich angegriffen wurden, waren die Hütten und Masten erstaunlich schwer zu zerstören und wurden in Stunden repariert.
Vermächtnis
Chain Home war 1942 veraltet, ersetzt durch Zentimeterwellen-Systeme. Aber das operative Konzept — fusionierte Mehrsensor-Überwachung, zentrale Kontrolle, gelenkter Abfang — wurde zur Vorlage jedes Luftverteidigungsnetzes seither, von NORAD bis heute.
Pulsfrequenz und Reichweite
Chain Home nutzte eine niedrige Pulsfrequenz von 50 Hz, synchronisiert mit dem Stromnetz, um Störungen zu minimieren. Dies ermöglichte enorme Reichweiten von bis zu 320 Kilometern. Die geringe Bildwiederholrate zwang die Operateure jedoch dazu, die Flugbahnen schneller Jäger zwischen den einzelnen Signalen manuell zu interpolieren, was hohe Konzentration erforderte.
Die Einführung von IFF
Um eigene Flugzeuge von feindlichen Bombern zu unterscheiden, wurde das erste IFF-System (Identification Friend or Foe) eingeführt. Ein Transponder an Bord der RAF-Jäger verstärkte das Radarsignal, was auf den Bildschirmen als markantes Echo erschien. Ohne diese Freund-Feind-Erkennung wäre das Dowding-System im Chaos falscher Meldungen und Eigenbeschuss-Risiken versunken.
Das Radiogoniometer
Da die Chain-Home-Antennen starr waren, nutzten Operatoren Radiogoniometer zur Richtungsbestimmung. Durch den Vergleich der Phasenverschiebung zwischen orthogonalen Dipolen wurde der Azimut manuell ermittelt. Die Höhenbestimmung erfolgte über separate Antennenpaare, was den RAF-Jägern den entscheidenden Höhenvorteil sicherte.
Bodenreflexion und Frequenz
Das System arbeitete im HF-Band (20-30 MHz) und nutzte Bodenreflexionen zur Signalverstärkung. Um gegenseitige Störungen zu vermeiden, synchronisierte man die Impulsfolge mit dem britischen Stromnetz. Dies ermöglichte eine einheitliche Filterung der Signale über die gesamte Kanalküste hinweg.